ÜBBER MISCH

 SimonIm zarten Alter von 17 Jahren stellte man mich, den handwerklich völlig unbegabten Jürgen Leber, bei der A. Opel AG zu Rüsselsheim an eine Werkbank und glaubte aus mir einen Werkzeugmacher formen zu können. Die Folge waren eine abgeschlossene Berufsausbildung, zahlreiche Verletzungen und Schäden in Millionenhöhe. Jahrelang unterstellte man mir Industriesabotage, denn „Leber, so blöd kann man doch gar nicht sein!“

Dennoch blieb ich immerhin acht Jahre und sieben Monate in dem Betrieb, in dem wenige Jahre zuvor noch Matthias Beltz, Joschka Fischer und all die anderen bereits vergeblich versucht hatten das Proletariat zu befreien.Hubert von Caravan

Immerhin hatte sich mittlerweile die Kabaretttruppe „Hubert von Caravan“, als erstes Arbeiterkabarett formiert und wir spielten mit gewerkschaftlich angehauchten Agit-Prop-Sketchen so manchen Saal leer. Unvergessen der 1. Mai Auftritt 1986 bei den Naturfreunden in Rüsselsheim, drei Tage nach Tschernobyl, mit einer bis dahin nicht gekannten Energieleistung.

Irgendwann beschloss ich, gewissermaßen als personifizierter Rückschlag des „Revolutionären Kampfs“, den umgekehrten Weg, vom Opel-Proletarier direkt an die Frankfurter Schule zu gehen. Ich begann ein Studium der Politikwissenschaften, Pädagogik und Lateinamerikanistik, mit erfolgreichem Abschluss des Magister Artium, bereits im 16. Semester.

turm-1Darin enthalten waren viele, viele Stunden mit Hakan im TuCa und mehrere Jahre in Lateinamerika (Guatemala, El Salvador, Kolumbien) mit Alphabetisierung, Wahlbeobachtung und dem Aufbau der Volksbibliothek „Simón el Bolívar“ und eines Open-Air-Volkskinos in einem der Armenvierteln von Bogotá.

Wieder in Deutschland gewann ich den Wettbewerb als Autor der hessischen Asterix Bände. Mittlerweile gibt es deren zehn, mit über 400.000 verkauften Exemplaren, eine „Sprach- und Lebenshilfe Hessisch“, die Hessisch DVD „Asterix und Kleopatra“, einen Sammelband und sogar Onkel Dagobert lernte Hessisch.

2013 gesellten sich dann auch noch Tim und Struppi zu der illustren Gesellschaft hessischbabbelnder Comicfiguren hinzu._DSC1079

Es blieb aber nicht beim Schreiben. Heute mache ich Lesungen und Kabarett, bis hin zur Fassenacht. Ob als Rotkäppchen, Eintracht-Fan, Struwwelpeter oder Goethe – Hauptsach Hessisch!

Und ganz ernsthaft beschäftige ich mich auch immer noch mit Entwicklungspolitik und arbeite als freier Dozent für Politik, Wirtschaft, Soziologie, Psychologie und Schlüsselqualifikationen an Hochschulen und anderen Bildungsträgern.